Leica S2 – Aus jedem Dorf ein Hund, ab 18600 Euro

Die Leica S2 sollte eigentlich der Protagonist eines von Grund auf neuentwickelten Spiegelreflex-Systems sein, dessen Bildformat mit 30 × 45 mm zwischen Kleinbild- und Mittelformat liegt. Ob Leica damit einen Blumentopf gewinnen kann ist allerdings fraglich.

Die Kamera besitzt Steckplätze für die Speicherkartenformate CompactFlash und SD und sichert auf Wunsch parallel Rohdaten im Adobe DNG-Format auf CompactFlash und JPEG auf der SD-Karte.

Die S2 selbst ist mit einem neu konstruierten Metall-Lamellen-Schlitzverschluss ausgestattet, der als kürzeste Verschlusszeit 1/4000 Sekunde und als Blitzsynchronzeit 1/125 Sekunde beherrscht. Die wichtigsten Brennweiten werden aber optional in einer Variante mit einem eigens entwickelten Zentralverschluss angeboten. Der elektronisch gesteuerete Zentralverschluss gestattet Blitzsynchronzeiten bis herunter auf 1/500 Sekunde.

Das Saphirglas des S2-P-Displays ist dreimal so hart wie Mineralglas.
Der Bildsensor der S2 wurde von Kodak eigens für das S-System entwickelt, währen Fujitsu beim Bildprozessor “Maestro” geholfen hat. Auf einen die Schärfe vermindernden Tiefpassfilter hat man bewusst verzichtet. Stattdessen wird etwaiges Moiré von der internen Signalverarbeitung gezielt erkannt und entfernt, um die Schärfeleistung der Objektive vollständig auszunutzen, was sehr lobenswert ist. Eine Überlegung die man sich auch von anderen Herstellern wünschen würde.

Die maximale Empfindlichkeit des Sensors ist mit ISO 1250 allerdings recht konservativ bemessen. Das Gehäuse der Kamera besteht aus robustem Magnesium-Druckguss und ist wie sämtliche S-Objektive aufwendig abgedichtet.

Die S2 soll in zwei Versionen erscheinen: Das Grundmodell soll zu einem Preis von 18.600 Euro in den ausgewählten Fachhandel kommen, die S2-P mit kratzfestem Saphirglas über dem Display und Rundum-Sorglos-Servicepaket „Platinum“ kommt auf 22.200 Euro. Zum Start der S-Serie werden das Objektiv SUMMARIT-S 1:2,5/70 mm ASPH. (ca. 56 mm entspr. KB) für 3.600 Euro und das APO-TELE-ELMAR-S 1:3,5/180 mm für 5.280 Euro erhältlich sein. Noch in diesem Jahr sollen das APO-MACRO-SUMMARIT-S 1:2,5/120 mm, ebenfalls für 5280 Euro, und schließlich das SUMMARIT-S 1:2,5/35 mm ASPH. für 4.200 Euro folgen. Die CS-Varianten der S-Objektive sind natürlich etwas teurer. Das SUMMARIT-S 1:2,5/35 mm ASPH. CS folgt für 4.920 Euro. Der Multifunktionshandgriff S für 990 Euro soll Anfang 2010 das Sortiment ergänzen.

990 Euro für einen verdammten Griff!

Leica ist einfach viel zu klein und zu finanzschwach, um im Geschäft digitaler Kameras mitmischen zu können. Wo Leica drauf steht und Leica berechnet wird, ist einfach nicht Leica drin. Und das ist das Problem

Sensor von Kodak, Prozessor von Fujitsu und der Rest der Kamera ist von Phase One. Aus jedem Dorf ein Hund also.
Letztlich sind also nur die Objektive wirklich Leica, der Rest ist von anderen Herstellern zusammengekauft und eben nicht Leica obwohl man Leica Preise dafür zahlen soll.

Und natürlich kann Leica es sich auch nicht leisten, eine maßgeschneiderte Software für die Nachbearbeitung entwickeln zu lassen, die auf die Eigenarten von Sensor und Objektiven eingeht, mögliche Bildfehler optimal korrigiert und das Maximale aus den Bilder holt. Dazu wird dann noch mal Lightroom bei Adobe eingekauft – soll der Kunde doch sehen, wie er klar kommt.

Leica versucht aus einer absolut schwachen Position heraus ein komplett neues System im Markt zu etablieren. Es darf bewzweifelt werden, dass all zu viele Fotografen bereit sind, letztlich 50.000 EUR für ein System zu investieren, dessen Zukunft völlig ungewiss ist und in dessen Palette noch große Löcher klaffen.

Leica baut immer noch grandiose Optiken und auf dieses Feld sollte sich Leica konzentrieren.

Frank Glencairn

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