Die bittere Wahrheit über Filmproduktion und Filmemacher

ACHTUNG! Was hier folgt, ist wahrscheinlich nicht das, was sie hören möchten. Es wird ihnen womöglich sogar den Tag versauen.

Wo ist nur all das Geld hin?

Wir alle wissen, daß sich das Medienbusiness immer schneller verändert. Die alten Regeln gelten nicht mehr, es kommen täglich neue hinzu. Wir alle müssen ständig umlernen und umdenken. Eine Regel die wir lernen müssen ist: Das Geld ist weg.
Das Geld im reinen Dienstleistungssektor ist weg und es wird – aller Wahrscheinlichkeit nach – auch nicht wieder kommen. Wenn ihr Geschäft ausschließlich im Bereich des Drehens/Schneidens oder Postproduktion von Filmen, TV-Serien, Fernsehdokumentationen oder Industriefilmen für andere Firmen angesiedelt ist, sollten sie sich besser nach einer anderen Einkommensquelle umsehen.
Wenn sie die Nerven haben diesen Artikel bis zum Ende zu lesen, werden sie einsehen, daß mein Rat, etwas anderes zu machen, tatsächlich das Beste ist, was sie für sich als Filmemacher tun können.

Es trifft für fast jeden Geschäftszweig zu, in dem die – anfangs obszön teure – Technologie, die zur Produktion benötigt wird, immer preiswerter und damit für viele erreichbarer wird.
Früher waren die Hürden für einen Einstig ins Filmgeschäft hoch. Vor allem finanziell. Und diese Hürden wurden von den Studios, Produktionsgesellschaften, Verleihern und den Herstellern auch hoch gehalten. So galt lange Zeit das Motto: Wir zahlen völlig überzogene Preise (auch für simpelste mechanische Geräte wie einen Follow Focus) dafür halten wir alle aus dem Geschäft raus die sich das nicht leisten können.

Auf diese Weise verhinderte ein elitärer Geld- und Beziehungs-Zirkel talentiertem Nachwuchs den Zugang.
Durch die Demokratisierung der Produktionsmittel ist jetzt allein das Talent der Maßstab und nicht mehr das Portemonnaie.

Auf der einen Seite stehen sich jetzt also junge, kreative Talente mit preiswertem Equipment und Kunden, die es bisher gewohnt waren exorbitante Summen zu zahlen gegenüber.

Es kam wie es kommen mußte und die Blase ist geplatzt.

Der Fakt, das ich hier an meinem Schreibtisch sitzen und in 2 Tagen eine 3D animierte Titel Sequenz in einer Qualität erstellen kann, für die Pixar vor 10 Jahren 2 Wochen benötigt hätte, spricht Bände.

Beinahe jeder kann sich heute für eine Kamera kaufen die weder vor HDTV noch vor der Leinwand verstecken muß. Jeder kann lernen zu Schneiden – es ist keine Atomwissenschaft und jeder, mit einem halbwegs aktuellen PC für 1500 Euro ist in der Lage Dinge zu tun, für die, noch vor einigen Jahren ein ganzes Rechenzentrum nötig war.

Die finanziellen Hürden wurden aus dem Weg geräumt, und die Vorzeichen haben sich verändert. Von eingeschränktem Zugang zu Technologie und hoher Nachfrage zu allgemeinem Zugang und fast keiner Nachfrage.

Wo ist die Nachfrage hingegangen?
Der Markt, die Kunden, alle die bisher die Arbeit von Produktions- und Posthäusern in Anspruch nahmen haben herausgefunden, daß die das alles selbst und dabei zu einem viel besseren Preis machen können.

Denken sie daran wie es der Druckvorstufe, mit all ihren hervorragenden Typographen, Lichtsatzmaschinen und teuren Trommelscannern ging. Was haben die über Photoshop, Pagemaker und Corel Draw gelacht. Das Lachen ist ihnen allerdings im Halse stecken geblieben, als Leute mit einem Mac/PC und Photoshop, Pagemaker und sogar Corel Draw, die Kunden gleich Reihenweise abgesaugt haben.
Mit recht wurde damals argumentiert, daß eine Briefbogen, eine Visitenkarte oder ein Flyer von einem erfahrenen Typographen gesetzt weit besser aussieht, als das Produkt eines Copyshop Designers, der noch nicht mal weiß, was ein Geviert ist.
Auch der Kunde sah den Unterschied. Allerdings ist ihm der Unterschied des Produkts nicht so groß erschienen wie der Unterschied auf der Rechnung die er dafür zahlen mußte.

Wer glaubt ich würde hier übertreiben, möge sich folgendes ansehen:
http://www.fleischnet.de/Service_/IFFA-Showroom/IFFA_Neuheiten_im_Video%7E_Schroeter.html

So haben sich die meisten Kunden für den besseren Preis entschieden und viele Druckvorstufe Unternehmen sind an den Raten für ihr teures Equipment erstickt und mußten Konkurs anmelden.

Also wer macht jetzt das Geld?

Die Ironie in all dem ist, daß die, welche am meisten von dieser “Demokratisierung der Produktionsmittel” profitieren, nicht die Filmemacher sind, auch nicht die Distributoren – die interessieren sich sowieso nicht für die Tonnen von unverkäuflichen Machwerken die von unten in Vimeo oder Youtube drücken – es sind Firmen wie Canon, Panasonic, Sony und RED die von der Illusion, es wäre einfach ein Filmemacher zu werden, wenn man nur die richtige Kamera kauft profitieren.

In Wirklichkeit ist es allerdings nichts als eine Seifenblase, ein feuchter Traum, eine totale Sackgasse. Das beste was sie damit womöglich werden ist ein Hochzeitsfilmer.

Verkaufen, verkaufen, verkaufen.

Das wirkliche “Geld” hat noch nie eine Kamera gekauft, gedreht, geschnitten und die Visionen eines anderen produziert. Das wirkliche “Geld” war immer in dem Geschäft von Content Besitzen und Verkaufen zu Gange.
Gottseidank hat sich wenigstens das bisher nicht geändert, allerdings ist es sehr viel härter geworden.

Es ist also noch nicht alles verloren. Sie können immer noch Geld da draußen machen, aber der Fokus des Filmemachers muß auf der Entwicklung und Produktion von IP (Intellectual Property) Content liegen. Das bedeutet GUTE Geschichten GUT erzählt aus denen GUT verkäufliche Geschichten werden.

Vergessen sie Technologie, vergessen sie Licht, Kamera Action und konzentrieren sie sich darauf Content zu entwickeln, Content zu besitzen und Content zu verkaufen.

Es gibt einen wachsenden Markt für guten Content und wenn sie ihn beliefern können – entweder mit ihren eigenen oder fremden Inhalten an denen sie die Rechte haben – sind sie allen aufstrebenden Filmemachern da draußen mit ihrer 7D, meilenweit voraus.

Überlassen sie den Vertrieb dem Vertrieb

Vergessen sie die Idee sie könnten ihren Kram selbst vertreiben. Vergessen Sie Youtube, Online-Streaming usw. Es ist nicht möglich damit Geld zu machen, es sei denn, man ist ein etablierter großer Vertrieb.
Warum? Weil nur ein großer Vertrieb hat das Marketing-Rückgrat um die nötige Reichweite zu gewährleisten. Es ist reine Zeitverschwendung Brainstormings über neue Geschäftsmodelle und Vertriebsformen abzuhalten – die Relevanz und die markt-Power eines großen Vertriebs werden sie nicht mal annähernd erreichen. Sie haben besseres mit ihrer Zeit zu tun.

Versuchen sie bitte nicht, hier den Revoluzzer zu spielen. Überlassen sie den Vertrieb dem Vertrieb und lernen sie lieber sein Spiel zu spielen.

Das meiste Geld steckt im Verkauf. Punkt

Wenn sie in der Lage sind, t.B. eine TV-Serie zu entwickeln, bei der es sich der BBC oder Discovery nicht leisten kann, sie zu übersehen, und die “Zutaten” oder der Mix so sind, daß nur Sie in der Lage sind das Ganze billiger oder besser zu machen als diese Sender, dann sind sie da wo sie sein sollten. Sie machen einen Verkauf und mit dem kommen Technologie, Kamera, Licht, Action und ein schöner Batzen Profit.
Geschäft und die Menschliche Natur sind von Gier geprägt.
Der Vertrieb kann produzieren, aber die Produktion kann nicht vertreiben – akzeptieren sie das. Entwickelns sie also Konzepte und Ideen, die Sie besser, schneller und billiger produzieren können als der Vertrieb. Warum sollten die sonst was von ihnen kaufen?

Sie selbst müssen eine projektentscheidenter Faktor sein um im Spiel zu bleiben.
Sie müssen irgendwas haben oder können, einen Kontakt/Beziehung/Erlaubnis/Rechte usw.
Wenn die sie nicht brauchen, werden sie gnadenlos wegrationalisiert, weil sie nur noch ein Unkostenfaktor sind.

Brüten sie Ideen aus

Konzeptionieren sie ständig und beständig Ideen für Inhalte. Entwickeln sie Dinge die nur sie können. entwickeln sie Inhalte von denen sie wissen, daß sie diese auch verkaufen können und verdienen sie ihr Geld mit dem Verkauf statt mit toller Kameraarbeit und Schnitt für andere.
Technologie, Kamera, Licht, Action – all das kann man billig beschaffen. Der Wert allein aber ist die Geschichte – Ihre Geschichte.

Frank Glencairn

Danke für den Link an Jürgen Klenk

One thought on “Die bittere Wahrheit über Filmproduktion und Filmemacher

  1. Ich stimme dir bei fast allen Dingen zu Frank, allerdings nicht beim Vertrieb. Denn dessen Marketing Rückgrat ist völlig überteuert. Das hat früher vielleicht funktioniert, aber heute nicht mehr. Das funktioniert nur beim Megahit im Musikbereich oder bei Blockbustern im Filmbereich.

    Wenn es sich allerdings um mittlere oder kleinere Projekte handelt, dann hat die klassische Marketing Strategie ausgedient, da sie VIEL zu teuer ist. Und genau da kann man mit Selbstvermarktung ansetzen. Und genau dort spielt das Internet mit Youtube etc eine große Rolle. Dort kann man sich eine kostenlose Präsenz Stück für Stück aufbauen. Natürlich vorrausgesetzt man hat das Qualitativ hochwertige Produkt. Den Content.

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