HDMI Nachfolger „HDBaseT“ in den Startlöchern

Die im vergangenen Jahr von LG, Samsung, Sony und Valens Semiconductor gegründete HDBaseT Alliance hat die Fassung 1.0 der Spezifikation ihrer A/V-Schnittstelle “HDBaseT” finalisiert. Mit der unkomprimierten, kopiergeschützten Übertragung digitaler Videos in bester HD-Auflösung nebst Surround Sound in allen gängigen Formaten und Steuersignalen wirkt HDBaseT zunächst nur wie ein Abklatsch des High Definition Multimedia Interface (HDMI). Doch hinter der neuen Schnittstelle stecken durchaus einige neue und interessante Denkansätze.

Das beginnt bereits bei den Kabeln: HDBaseT setzt hier auf gewöhnliche Ethernet-Kabel vom Typ CAT5e/6 mit dem gewöhnlichen RJ-45-Stecker. Damit könnte jeder Anwender Verkabelungen über längere Distanzen mit Kabeln aus dem PC-Laden um die Ecke realisieren – was dafür sorgen dürfte, dass die bei HDMI so engagierten Kabelhersteller wenig Interesse an HDBaseT zeigen werden.

Apropos Ethernetkabel: Bei HDMI kam mit der Fassung 1.4 ein Ethernet-Kanal hinzu, dessen Geschwindigkeit bei maximal 100 MBit/s liegt. Auch HDBaseT bietet einen solchen Datenkanal, über den anfangs bis zu 100 MBit/s laufen sollen. Die HDBaseT Alliance gibt aber bereits an, dass das System bis zu einem Wert von 1 GBit/s skalierbar ist. Daneben sollen auch Daten nach dem USB-Protokoll transportiert werden können.

Heimcineasten, die bereits leidvolle Erfahrungen mit der HDMI-Verkabelung über mehr als 15 Meter – beispielsweise zwischen Audio/Video-Receiver und Projektor – gesammelt haben, dürfte freuen, dass die HDBaseT-Spezifikation eine Kabellänge von bis zu 100 Meter zwischen zwei Geräten nennt. Bei der Verkabelung der Geräte untereinander geht HDBaseT andere Wege als HDMI, indem es nicht nur eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung kennt, sondern Geräte lassen sich auch als Kette verbinden. Wer heute beispielsweise Blu-ray-Player, HDTV-Receiver und Festplatten-Player in einem Rack stehen hat, muss entweder drei HDMI-Strippen zum Fernseher ziehen oder einen HDMI-Switch (separater Umschalter oder AV-Receiver mit HDMI-Ports) dazwischen hängen. Bei HDBaseT wären die Zuspieler
untereinander verkabelt und nur von einem der Geräte liefe ein Kabel zum Fernseher.

Über die Verbindungsleitung sollen beispielsweise Fernseher auch gleich mit Strom versorgt werden können. Der genannte Wert von 100 Watt ruft bei einigen Experten jedoch Bedenken hervor. Bei Power over Ethernet ist aktuell bei 30 Watt Schluss.

So interessant alle diese Ansätze auch sind, muss man doch feststellen, dass viele Ideen bereits vorher von dem chinesischen HDMI-Konkurrenten DiiVA (Digital Interface for Video and Audio) realisiert wurden, mit dem sich c’t im Artikel “Primadonna der AV-Schnittstellen” in Ausgabe 04/10 ausführlich beschäftigte. Hier kommen zwar proprietäre Stecker zum Einsatz, bei den Kabeln greift DiiVA aber auf CAT6-Kabel zurück. Als Maximalkabellänge, über die die Videosignale störungsfrei in voller Auflösung transportiert werden müssen, sind hier zwar nur 25 Meter genannt, diese Distanz dürften die meisten Heiminstallationen jedoch nicht überschreiten.

DiiVA schlägt HDBaseT aktuell bezüglich der Ethernetverbindung: Die bidirektionale Verbindung soll beim “chinesischen HDMI” mit über 2 GBit/s in beide Richtungen laufen und verschiedene parallel laufende Datenkanäle beherbergen. Auch USB ist bei DiiVA mit von der Partie, ebenso wie eine integrierte Stromversorgung – allerdings beschränkt auf 5 Watt. Bezüglich der Stern- beziehungsweise Kettenverkabelung ist bislang zwischen den beiden HDMI-Konkurrenten kein Unterschied auszumachen.

Laut HDBaseT Alliance sollen die ersten Produkte mit der neuen Schnittstelle bereits in der zweiten Jahreshälfte 2010 erhältlich sein, ein breiter Marktstart sei für 2011 geplant. Auch DiiVA könnte noch in diesem Jahr starten; die ersten Geräte werden auf jeden Fall zunächst in China auf den Markt kommen. Mit LG Electronics, Samsung und Sony sind übrigens drei der vier Gründungsmitglieder der HDBaseT Alliance auch DiiVA-Unterstützer.