Satz mit X – FinalCutProX, Revolution oder aufgebohrtes iMovie?

Der ganze Final Cut Pro Hype der letzten Monate fand seinen Höhepunkt gestern Nacht, als 1700 Apple Fans im Bally`s Event Center auf dem SuperMeet die Sneak Preview des neuen Schnittprogramms erlebten. Allerdings blieben nach der Präsentation mehr Fragen als Antworten

Curtesy of The Loop

Curtesy of The Loop

Final Cut Pro X soll im Juni, zum Preis von 299 Dollar verfügbar sein. Ein Preisschild, an dem Avid, Adobe und Sony wohl zu beißen haben werden.

Der Event begann mit einer IWork Präsentation mit der Grundaussage daß FCP-X angeblich so “revolutionär” sein soll, wie das erste FCP. 94% der zwei Millionen User seien “zufrieden” (was immer das bedeutet) mit der Anwendung – so weit, so gut.

Dann betrat Peter Steinauer, der Architekt von FCP die Bühne um uns mehr Fakten zu FCP-X zu präsentieren. Es werde eine 64 bit Anwendung sein sowie endlich fähig, auch längere und komplexere Projekte zu handhaben.

FCP-X soll endlich ein durchgängiges Color Management bekommen, daß hoffentlich das – seit Jahren bekannte und leidige – Gamma-Problem in Quicktime beseitigt. Das Playback System wird Auflösungsunabhänig arbeiten und HD zu 4k Skalieren (ob das eine gute Idee ist?) und fast alle Formate nativ bearbeiten können. An letzterem habe ich so meine Zweifel. So wie ich es verstanden habe, muß das Material trotzdem Trancodiert werden, das läuft aber im Hintergrund.

Es wird jede Menge Automatisierungen geben, etwa die “Content-Auto-Analysis”, automatische Farbkorrektur, automatische Stabilisierung, automatische Erkennung von Gesichtern, Einstellungsgrößen, automatische Rauschverminderung und was nicht noch alles. Ich hoffe man kann das ganze auch abschalten, den Profis behalten gerne selbst die Kontrolle über ihr Material und möchten wichtige Entscheidungen nicht irgendeiner Automatik überlassen. Auch der Ton soll beim Import automatisch ver(schlimm)bessert werden. Alles in allem mehr Features von typischen Hobby Filmer Programmen als das, was man in einer “Pro” Anwendung vermuten möchte.

Wirklich gelungen ist die “Magnetic Timeline”, wie sie z.B. in Premiere längst üblich ist. Auch die “Auditioning” Funktion ist eine hervorragende Idee – allerdings frage ich mich wie oft man so was dann tatsächlich im regulären Schnitt-Alltag nutzt.

Alles in allem, hat Apple endlich einige Funktionen nachgerüstet, die in anderen Schnittprogrammen bereits seit Jahren implementiert sind. “Revolutionär” ist dagegen keine einzige. Nur wer noch nie über den FCP Tellerrand hinaus gesehen hat, hält das alles für wirkliche Neuerungen.

  • 64 bit (Vegas, Premiere, Avid)
  • CPU Beschleunigung (Vegas, Premiere, Avid)
  • Color Management (Vegas, Premiere, Avid)
  • Auflösungsunabhängig bis 4k (Vegas, Premiere
  • Auflösungs- und Codec unabhängiger (nativ) Echtzeit-Schnitt (Vegas, Premiere)
  • Range Based Keywording (Vegas, Premiere)
  • Smart Collections/Smart Folders (Vegas)
  • Magnetische Timeline (Vegas, Premiere)
  • Filmstrip Tmeline Ansicht (Vegas, Premiere)
  • Pitch Corrected Audio Skimming (Vegas)
  • Waveforms zeigen Level Anpassung in Echtzeit (Pemiere, Vegas)
  • Advanced Color Correction (Premiere, Avid)
  • Keyframing, Bezier Pfade, und Kurven Darstellung in der Timeline (Premiere, Vegas)
  • Surround Panning (DAW) (Premiere, Vegas)
  • usw.

Zieht man obige Liste von den “revolutionären Neuerungen” ab bleibt nur noch wenig, daß es wo anders nicht gibt.

Editing noch während des Einlesens Das stelle ich mir vor allem schwierig vor, wenn man Teile bearbeiten will die noch nicht eingelesen sind. Es bezieht sich also nur auf Material das bereits auf dem Rechner ist – Big Deal.

Automatische Farbkorrektur, Stabilisierung und ähnliches während des Einlesens. Hoffentlich eine abschaltbare Funktion.

Automatische Gesichts und Einstellungs-Erkennung. Wow, ich weiß gar nicht wie ich ohne dieses Feature überhaupt arbeiten konnte.

Auditioning -Eine wirklich gute Idee

Diese Features sind wirklich neu, aber sie stellen nicht wirklich den großen Durchbruch dar, der die Editoren scharenweise zu FCP überlaufen lässt. Der Preis ist schon eher das Killer Argument bei FCP. Ironischer weise ist mittlerweile – daß als billig Hobby Anwendung verschmähte –  PremierePro zum Premium Produkt geworden, während FCP mittlerweile preismäßig in der Consumer Liga spielt. Selbst MAGIX Video Pro X3 ist fast doppelt so teuer.

Trotz allem blieben viele Fragen unbeantwortet.

Werden 3rd Party Plug-Ins weiterhin funktionieren?
Was ist mit XML und EDL In- und Export?
Was ist mit Multicam Clips?
Können die automatischen Funktionen und die magnetische Timeline ausgeschaltet werden?
Wie funktioniert das Media-Management?
Können Tatstenkürzel individualisiert werden?
Gibt es ein Timecode Fenster?
Gibt es endlich ein brauchbares Titel Werkzeug?
Ist Color eingebettet?
Ist Motion und Soundtrack eingebettet?
Wie wird die Farbtiefe gehandhabt?
Kann RED Raw nativ bearbeitet werden?

Ich könnte noch eine Weile so weiter machen.

Adobe, Sony und Avid werden nicht wirklich besorgt über die “FCP Revolution” sein. Es gibt kaum etwas auf das man neidisch sein müßte , außer eine bedingungslose Fanbasis die es nicht wagt andere Programme oder Plattformen auch nur auszuprobieren.  Daß diese Fanboys das sinkende Schiff – auch wegen des Preises – nun nicht so schnell verlassen werden, dürfte der Konkurrenz erheblich mehr Sorgen bereiten

Frank Glencairn

UPDATE: I told you so😉

4 thoughts on “Satz mit X – FinalCutProX, Revolution oder aufgebohrtes iMovie?

  1. Hmm. Das scheint aber nicht wirklich fundiert zu sein. Noch dazu versucht man hier zu urteilen aus einer Feature-Liste, ohne jemals das Programm gesehen geschweige denn wirklich selbst getestet hat. Seriös ist das ja nicht und man hört ja auch klar raus, dass da jemand sowieso befangen ist und Apple gegenüber nicht sachlich gegenüber steht. Der gutgemeinte Bericht ist demnach nur ne stark subjektiv gefärbte Meinung und somit sinnbefreit.

  2. Nun ja. Apple nicht zu mögen und eine solche Beurteilung zu schreiben, ohne das Programm ausprobiert zu haben. Ich weiß nicht. Ich kann sagen, das ich sowohl Premiere als auch Avid beherrsche und schon damit gearbeitet habe. Am Ende bin ich immer wieder bei Final Cut gelandet. Und ich bin das was man einen ” professionellen Filmemacher” nennt. Ich bilde mir da nichts drauf ein, aber ich arbeite seit FCP 1.0 mit dem Programm und liebe es.
    Ich freue mich auf die neue Version.
    Davon das ich in einem sinkenden Schiff sitze, hab ich noch nie gehört.🙂

  3. Hast du X schon ausprobiert Thomas?
    Gehst du von Bord, bleibst du bei der alten Version oder steigst du um?

    Frank

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